Moroccan Moments

Zuerst wollte Kerstin nach Italien oder Frankreich. Dann ist sie doch mit Mann und Kind durch Marokko gefahren. Über 4000 km in 4 Wochen.

Liebe Kerstin, während Eurer gemeinsamen Elterzeit bist du mit Deinem Mann Karsten und Eurer einjährigen Tochter Feli für einen Monat durch Marokko gereist. Wie kamt Ihr auf Marokko?

Karsten ist der etwas Wagemutigere von uns, die Idee kam von ihm. Ich wäre vielleicht eher nach Italien oder Frankreich gereist, ließ mich dann aber von ihm inspirieren. Vor allem Marrakesch hatte mich auch schon länger interessiert. Meine Bedingung war, dass wenn es für unsere Tochter Feli oder uns zu stressig wird, wir notfalls auch vier Wochen an einem Ort bleiben. Es lief aber alles so gut, dass wir schließlich fast nie länger als zwei Nächte an einem Ort waren.

Das klingt nach einem marokkanischem „On-the-Road-Abenteuer“.

Ja, das war es auch. Wir sind die ganze Zeit mit dem Auto rumgereist, also ich glaube es waren 4000 Kilometer in den 4 Wochen. Das Fahren durch die Landschaft Marokkos gehörte also definitiv mit zu unserer Reise. Durch Wüstengegenden, vorbei an Steinfelsen in irren Farben oder Kasbahs, den typischen marokkanischen Lehmburgen.

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„Wenn wir eine Pause brauchten haben wir einfach einen Stopp eingelegt, einen Tee getrunken und geschaut was passiert. Ganz nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel.“

Wie war das viele Autofahren für eure Tochter Feli?

Wir sind ja selten mehr als drei Stunden am Stück gefahren und Feli hat meistens während der Autofahrten geschlafen. Wir waren auch nur tagsüber unterwegs, nachts ist das Auto fahren in Marokko viel zu gefährlich, weil die Marokkaner grundsätzlich ohne Licht fahren. Und auch tagsüber mussten wir immer höllisch aufpassen, dass uns zum Beispiel kein Eselkarren vors Auto läuft.

Hattet Ihr Euch die Route vorher überlegt? Und die Hotels vorher gebucht?

Wir hatten uns vorher eine Route überlegt, sind dann zwischendurch aber immer wieder davon abgekommen, wenn etwas besonders schön war. Mit dem Auto kann man ja immer ganz spontan einen Schlenker machen. Aber schon bei unserer ersten Autofahrt haben wir es nicht zu unserem Hotel nach Marrakesch geschafft, dass wir schon in Deutschland gebucht hatten. Wir haben es einfach vor Einbruch der Dunkelheit nicht mehr über das Atlasgebirge geschafft. Mitten im Niemandsland haben wir dann ein ‚Riad Hotel’-Schild entdeckt und sind spontan dorthin gefahren. Wir fuhren durch ein Tor und plötzlich war dort ein wunderschöner orientalischer Garten mit freilaufenden Pfauen und blühenden Orangenbäumen, es war traumhaft. Die Zimmer waren wie in Tausend und einer Nacht mit Blick auf das Atlasgebirge.

Wir haben dann beschlossen, keine Hotels mehr vorher zu buchen sondern zu schauen, wo es uns spontan hin verschlägt und haben dann vor Ort geschaut, wo eine Auberge oder ein Riad Hotel ist. Das hat gut funktioniert und es waren richtige Perlen dabei, die wir sonst vielleicht nicht gefunden hätten.

Diese kleinen, unerwarteten Überraschungen fand ich während dieser Reise besonders toll. Wir haben zum Beispiel mal in einem kleinem Ort an einem schrammeligen Restaurant gehalten, um Pause zu machen und einen Tee zu trinken. Hinter dem Haus erwartete uns ein wunderschöner Garten mit kleinem Bach, wo wir wahnsinnig gutes Essen serviert bekamen.

Welche Momente oder Orte hast Du in besonders schöner Erinnerung behalten?

Es ist schon schwierig einen Moment da herauszupicken. Es war vor allem immer wieder aufs Neue die wunderschöne und außergewöhnliche Landschaft, die mich begeistert hat.

Und ganz besonders schön fand ich auch die drei Tage in der Wüste. Zwar hat Marokko nicht so eine riesengroße Saharawüste, die Wüste ist ja klein und man hat nicht diese endlose Weite. Aber es war schon total irre, weil man da plötzlich im Nichts ist. Ab 22 Uhr wird dann das Stromaggregat abgeschaltet und wir hatten kein Licht mehr, was wir vorher nicht wussten. Diese Dunkelheit kannte ich überhaupt nicht. Wenn in der Stadt das Licht aus ist, sieht man ja immer noch was. In der Wüste ist es dann aber wirklich total dunkel.

 
 

Mittags haben wir vor unserem Hotel Siesta gemacht und Tee getrunken. Wir schauten Feli zu, wie sie mitten in der Wüste saß und in diesem riesigen Sandspielplatz spielte. Das war schon ein einzigartiges Bild.

Am erholsamsten waren aber definitiv die fünf Tage vor Ende unserer Reise, am Meer in Essouira. Das Rumreisen war zwar cool aber natürlich auch anstrengend. Essouira ist ganz anders als der Rest Marokkos, viel entspannter, weniger Wirrwarr, weniger Hektik, dort ist die Stimmung eher wie in einem Surferparadies.

„Das Herumrumreisen war zwar cool aber natürlich auch anstrengend. Essouira ist ganz anders als der Rest Marokkos, viel entspannter, weniger Wirrwarr, weniger Hektik, dort ist die Stimmung eher wie in einem Surferparadies.“

Gab es auch Dinge, die Dir nicht so gefallen haben?

Wenn ich auf dieser Reise etwas weggelassen hätte, dann die Reise in den Norden mit seinen großen Städten, Rabat, Meknes und Casablanca. Die sind alle ziemlich ähnlich. Es gibt ein Souk, wo man einkaufen kann und die Straßenverkäufer, die uns ständig was verkaufen wollten, haben mich ganz schön genervt. Ifran hätten wir uns auch sparen können, dort mussten wir plötzlich wieder unsere Winterstiefel anziehen. Es war ziemlich kalt und auch nicht besonders spannend dort.

Kamt Ihr auch in brenzliche Situationen oder habt Ihr Reisepannen erlebt?

Eigentlich lief alles gut. In Marrakesch ein Hotel zu finden war sicherlich die größte Herausforderung. Für Marrakesch gibt es so was wie einen Stadtplan nicht. Wir sind stundenlang durch kleine Gässchen im hupenden Chaos und zwischen Eselskarren durch die Gegend gekurvt. Es wurde schon dunkel und mein Puls war ganz schön oben. Mit Kind habe ich mich in diesem lauten Chaos plötzlich ganz schön verletzlich gefühlt. Feli schlief zum Glück trotz tosendem Lärm.