Camping at it´s best

Campen ist ja nicht jedermanns Sache. Der Campingplatz Sosàlinos auf Sardinien hat aber schon so manchen Nicht-Camper überzeugt. Und für Kinder ist er eh ein Traum.

Lieber Paul, im Sommer 2013 wart ihr mit eurer Tochter Ella auf Sardinien campen. Wie seid ihr auf den Campingplatz Sosalinos gekommen?

Wir haben ewig im Internet recherchiert, gefühlt haben wir Wochen damit verbracht. Es war unser erster “richtiger” Urlaub mit Ella und wir hatten dringend eine Auszeit nötig. Zuerst haben wir so recherchiert wie früher, wir haben nach relativ abgelegenen Häusern und Stränden gesucht, weil das unsere bevorzugten Reiseziele bzw. Plätze waren, als wir noch allein unterwegs waren. Wir haben auch ein paar gute Unterkünfte gefunden aber irgendwann haben wir uns gefragt, was wir zwei Wochen mit einem zweijährigem Kind an so einem einsamen Ort machen…

Da Martina und ich campen lieben, haben wir angefangen, nach netten Campingplätzen zu suchen. Wir dachten an unsere Kindheit und haben uns erinnert, wie toll es für uns als Kids war, auf einem Campingplatz zu sein. Schließlich haben wir irgendwann “Porto Sosalinos” gefunden und — obwohl wir wirklich spät dran waren — noch einen Platz bekommen.

Campen ist ja oft nicht so komfortabel wie Hotel oder Apartment. Wie war das für euch mit Kleinkind im Zelt?

Das Tolle an dem Campingplatz ist, dass man ganz normal zelten kann (mit eigenem Zelt, Camper etc.), man kann aber auch Holzbungalows, Zelte in verschiedenen Größen oder Campingwagen mieten. Wir wollten nicht zwei Wochen am Boden herum kriechen, außerdem fehlte es uns an Ausrüstung für einen richtigen Campingurlaub. Die Zelte, die dort vermieten werden, sind voll ausgerüstet — da stehen Betten drin, davor stehen Bank und Tisch und auch sonst kann man alles mögliche dazu buchen, z.B. Geschirr, eine kleines Kochzelt, Bettwäsche, Babybett etc. Wir haben uns also in ein “indisches Zelt” eingemietet, mit Betten, kleinem Kühlschrank und Kleiderschrank.

Das hört sich sehr komfortabel an. Man denkt an Glamping, also glamouröses Zelten…

Es ist sehr komfortabel, aber nicht glamourös. Glamourös und abgehoben wollten wir gar nicht und konnten wir uns auch nicht leisten. Auf unseren Bildern sieht man das auch. Es ist eher Hippie als Posh. Und die wenigen fixen Unterkünfte, die vermietet werden, fügen sich so unauffällig und geschmackvoll in den Campingplatz ein, dass man auch kein Aussenseitergefühl bekommt á la “das sind die im Luxuszelt”.

Überhaupt fühlt man sich auf dem ganzen Campingplatz sehr wohl. Alles erinnert ein bisschen an eine Hippieunterkunft in Thailand, überall sind Hängematten und im öffentlichen Chill- und Essbereich sind große Sofas mit Kissen, Bänken und Spielzeug.

 
 
 
 

„Man hat ja oft so ein Bild von so spießigen Campern im Kopf, die ihre Einmachgläser dabei haben und alles und jeden beobachten. Das ist mir da überhaupt nicht begegnet.”

Wart Ihr vor Ella, also ohne Kind schon mal auf Sardinien? Und falls ja, was habt Ihr dieses Mal anders erlebt?

Martina und ich waren vor fünf oder sechs Jahren schon einmal allein auf Sardinien. Früher sind wir viel mit dem Auto rumgefahren oder sind gewandert und haben viel erkundet. Da wir Sardinien also schon kannten, hatten wir diesmal gar nicht so das Bedürfniss, viel unterwegs zu sein und uns viel anzusehen. Aber wir wussten z.B. dass es wunderschöne, fast karibische Strände gibt, also super für kleine Kinder. Ein Auto haben wir trotzdem gemietet, das braucht man da auch, wenn man sich selbst versorgt, der nächste Supermarkt ist ca. in 1,5 km Entfernung, die kleine Stadt Orosei in 10 km Entfernung.

Eine Umstellung war die Reisezeit. Früher sind wir nie in der Hauptsaison gefahren, jetzt passen wir uns da wegen Kitaschließzeiten schon an. Der Campingplatz ist zu dieser Zeit natürlich voll ausgebucht und sehr heiss ist es im Juli auch. Und das Personal hat zur Hauptreisezeit natürlich auch mehr zu tun, das merkt man schon.

Wie habt ihr eure Tage verbracht?

Morgens waren wir meist an einem der beiden wunderschönen Strände, die in 5 Gehminuten Entfernung liegen. Es gibt einen sehr großen, offenen Strand und einen etwas kleineren, geschützten. Wir haben den Kleinen bevorzugt, der ist gemütlicher.

Außerdem waren da immer viele Kinder und viele nette (und schicke) italienische Großfamilien, die im Sommer in ihren umliegenden Häusern aus den 60ziger Jahren Häusern wohnen.
Mittags war es am Strand zu heiss, wir sind dann wieder zum Zeltplatz und haben uns entweder selbst was gekocht oder sind in das offene Restaurant gegangen. Den Rest der Mittagszeit haben wir meist im Chillbereich in Hängematten oder auf der schön angelegten Wiese verbracht.

Danach meist wieder Strand, also ein richtiger Badeurlaub…

Am Abend waren wir oft auf dem Campingplatz spazieren, die Stimmung und das Licht sind da so toll und es gab immer was zu entdecken. Und dann immer nochmal duschen, um das Salzwasser abzuwaschen, vor allem aber um die unglaubliche Aussicht in einer der Freiluftduschen zu geniessen.

Was war euer schönstes Erlebnis während der Reise?

Ehrlich gesagt, gab es nicht den einen, schönsten Moment. Es war einfach durchgehend schön. Wir haben es genossen, dass alles nicht so aufregend war und dass wir nicht viel vor hatten. Es war einfach toll, den ganzen Tag draussen in der Natur zu sein. Ella war die meiste Zeit nackig und saß in ihrem Planschbecken vor dem Zelt, hat Tierchen beobachtet, mit anderen Kindern gespielt oder ist den kleinen Katzen vom Campingplatz nachgelaufen. Da war für uns Entspannung pur.

Es gibt einen sehr großen, offenen Strand und einen etwas kleineren, geschützten. Wir haben den Kleinen bevorzugt, der ist gemütlicher.

Welche spezielle Orte, Ausflugsziele, Unterkünfte könnt Ihr besonders empfehlen?

Wie gesagt waren wir ja diesmal nicht viel unterwegs. Aber wenn man aktiver werden will, gibt es jede Menge Angebote. Der Campingplatz bietet neben Wellness auch alle möglichen Sportarten an, z.B. Kitesurfing, Free Climbing, Trekking, Canoying, Diving etc. Der Golf von Orosei ist traumhaft, außerdem gibt es in der Umgebung Höhlen und Grotten die sich für Tagesausflüge anbieten.

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Gab es auch Dinge, die Euch nicht so gut gefallen haben oder die man als Familie beachten sollte?

In der Nähe des Campingplatzes gibt es — nicht sichtbar aber hörbar — eine Bar, die zur Hauptsaison am Abend relativ laut Musik spielt. Das hat uns manchmal schon genervt, aber wir haben uns daran gewöhnt und Ella ist auch immer gut eingeschlafen. Die Campingplatzbetreiber sind mit den Betreibern der Bar wohl auch in Kommunikation, aber erreichen da leider nichts.

Außerdem ist es zur Hauptsaison schon sehr heiss. Der Campingplatz liegt zum Großteil unter schattigen Pinien, auf manchen Plätzen hat man leider nicht so Glück.

Und Mücken. Unglaublich viele, besonders im Bereich des Flußarmes. Wir waren die erste Nacht nicht eingecremt und und vor allem Ella hats voll erwischt.

Vielen Dank für das Interview!

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