9 Wochen Auszeit! Teil 1: Tokio

Auch mit ganz kleinem Baby kann man große Reisen machen: Maria, Tom und Greta (4 Monate) haben sich eine 9 Wochen lange Auszeit gegönnt. Sie waren in Tokio, Neuseeland und in der Südsee.

Maria, für eure Elternzeitreise habt ihr Euch die von uns aus am weitesten entfernten Länder der  Welt ausgesucht. Wie seid ihr auf die Orte gekommen?

Weit weg war auf jeden Fall ein Thema. Wir dachten uns: wenn wir uns schon mal 9 Wochen Zeit nehmen, dann fahren wir gleich richtig weit weg. Australien war auch noch auf meiner Liste, aber das fand Tom zu giftig. So wurde es Neuseeland.

Vor Neuseeland wollten wir noch einen Stopover einlegen und danach auch auf jeden Fall mal auf eine Südseeinsel. Die Kombination Tokio, Neuseeland, Rarotonga wurde uns in unserem Reisebüro vorgeschlagen. Übrigens, im Reisebüro zu buchen war für uns wirklich eine große Hilfe und Geld gespart haben wir sicher auch. Zum Beispiel haben wir auf Anraten ein “All Around the World” Ticket gebucht, so haben die ganze Flüge pro Person nur 1700 € gekostet. Außerdem hatte das Reisebüro einen Kontakt zu einem Wohnmobilanbieter, der alte Wohnmobile aufarbeitet und diese dann für 125 € anstatt 150 € am Tag vermietet. Wir haben so tolle Tipps bekommen, weshalb wir das buchen im Reisebüro wirklich empfehlen würden.

Wusstet ihr schon vor Deiner Schwangerschaft, dass ihr eine große Elternzeitreise machen wollt?

Ja, das wussten wir schon lange. Bei unserer Hochzeit vor drei Jahren war klar, dass wir bald ein Kind wollen und es war auch klar, dass wir dann eine große Reise machen wollen.

Seit unserer Hochzeit haben wir immer wieder Geld zurück gelegt. Als ich dann schwanger wurde, haben wir uns überlegt wohin es gehen soll. Gebucht haben wir im Oktober, also vier Monate vor Reiseantritt.

Habt ihr vorher viel gelesen und geplant?

Nein, wir machen so etwas eher spontan. Auch die Route in Neuseeland haben wir uns nicht vorher überlegt. Wir wussten, dass wir auf der Südinsel anfangen und dann auf die wärmere Nordinsel fahren. Im Flugzeug haben wir Münchner kennen gelernt, die wir auf unserem ersten Campingplatz wieder getroffen haben. Wir haben beschlossen, dass sie im Uhrzeigersinn und wir entgegen fahren und wir uns bei der Hälfte wieder treffen. So konnten wir dann auch Tipps austauschen. Die Südinsel ist aber sowieso mehr oder weniger eine Runde, wobei die Nordinsel etwas tricky ist.

Greta war zu Reiseantritt erst 4 Monate alt. Wart ihr nervös?

Ja, allerdings haben mich die Flüge nervöser gemacht als die Vorstellung, da zu sein. Alle drei Orte haben ja im Notfall ein sehr gutes medizinisches Versorgungssystem, zudem bin ich Hebamme, kenne mich also selbst ganz gut aus und hätte im Notfall außerdem Ärzte, die ich direkt erreichen kann. Das gibt mir schon sehr viel Sicherheit.

Es gab auch einige Leute in unserem Umfeld, die das eher riskant fanden, mit einem so jungen Baby so weit zu reisen. Aber als Hebamme konnte ich das Risiko sehr gut einschätzen und ich wusste auch, dass diese Reise mit einem Baby unkomplizierter ist, als zum Beispiel mit einem einjährigen Kind.

Greta hat schließlich alle Flüge verpennt und es war total unkompliziert. Und auch vor Ort gab es zum Glück keinerlei Schwierigkeiten.

3 Tage Tokio.

In welchem Bezirk habt ihr gewohnt und welchen Stadtteil sollte man nicht verpassen?

Shibuya sollte man unbedingt gesehen haben. Das ist dieser quirlige Stadtteil in dem es diesen riesigen Zebrastreifen gibt und wo die ganzen Fashionteenies abhängen. Das ist wirklich witzig da, da hätte ich mich ewig aufhalten können.

Wir haben im Stadtbezirk Taitō in der Nähe des Ueno-Parks gewohnt und haben da natürlich viel gesehen. Man kann dort zum Beispiel einige Tempelanlagen besichtigen, es gibt tolle Museen, einen Zoo und zur Kirschblütenzeit blüht der ganze Park.

Findet man in Tokio noch so etwas wie eine Altstadt?

Ja, genau in der Gegend Ueno, Asakusa, Yanaka  kann man noch ein bisschen altes Tokio erleben. Aber man sollte nicht zu viel erwarten. Frühere Erdbeben und die Bombenangriffe im Weltkrieg haben nicht viel Altes übrig gelassen. Tokio an sich ist finde ich auch keine schöne Stadt, aber wahnsinnig faszinierend.

Wie sind die Tokioter?

Schade, dass ich das so sagen muss, aber ich habe sie als eher unhöflich wahr genommen. Als wir zum Beispiel mit der U-Bahn vom Flughafen zum Hotel gefahren sind (übrigens total easy, das U-Bahn System ist viel einfacher als unseres), mussten wir ja mit unserem ganzen Gepäck, Kind und Kinderwagen von der U-Bahn Station zum Hotel. Die U-Bahn Station hatte keinen Aufzug und uns hat einfach keiner geholfen. Das war zwar nur eine Begebenheit, aber insgesamt würde ich die Tokioter eher als muffelig-unhöflich bezeichnen. Zumindest die auf der Straße. In Restaurants und Geschäften waren sie sehr freundlich.

Es gibt keine Stadt auf der Welt, die dichter bevölkert ist als Tokio. Ich stelle mir Tokio wahnsinnig anstrengend vor. Wie war es für euch? Und für Greta?

Also Greta hat das alles überhaupt nicht gestört, die hat im Tragegurt auf meiner Brust geschlafen und war ziemlich unbeeindruckt.

Und Tom und ich haben es auch nicht als besonders anstrengend oder eng empfunden, sondern hatte eher den Eindruck, dass sich alles ganz gut verteilt. Allerdings waren wir nie zur Rushhour unterwegs. Das sollte man wirklich vermeiden, da tritt man sich wohl gegenseitig auf die Füße so eng ist´s dann. Ansonsten fand ich es wirklich nicht anstrengender als in anderen Metropolen.

Wie hat euch das Essen geschmeckt?

Wir waren einmal mit den Münchnern abends richtig gut essen. Wir haben nach Bildern bestellt und Teppanyaki gegessen. Teppanyaki sind Gerichte, die auf einem Grill direkt am Tisch zubereitet werden. Das war schon abgefahren, weil wir zum Teil überhaupt nicht wussten, was wir da essen. Günstig wars auch nicht, aber das muss man mal gemacht haben.

Ansonsten haben wir uns oft für 5 € ein Sushibox geholt oder waren in einer der vielen Nudelstuben, das ist super lecker und günstig. Interessant war auch, dass die Japaner essen und gleichzeitig rauchen. Sogar in der winzigsten Nudelstube wird geraucht als gäbs kein morgen.

Was hat Dich am meisten beeindruckt?

Shibuya hat mich sehr beeindruckt, dort fand ich es echt cool. Wir waren da mal in einem Kaufhaus, ein riesiger Turm in dem 109 (so heisst der Turm auch) winzige Geschäfte mit total freakigem Zeugs gab. In Shibuya sieht man auch viele der Jugendliche, die aussehen wie Puppen. Ich bin aus dem Staunen nicht mehr raus gekommen.

Gab es in Tokio eine besondere Situation, die Du gern erzählen möchtest?

Bei einer Tempelbesichtigung ist mal eine Schülergruppe auf uns zu gekommen, die waren total begeistert von Greta. Ich glaube zum einen wegen der großen, blauen Augen und weil die einfach so kleine, europäische Kinder nur sehr selten sehen. Die haben uns richtig belagert und wollten alle Selfies mit Greta machen. Durften sie auch, das war wirklich witzig.

Teil 2: Neuseeland

Tipps

ESSEN

Jojoen Yotsuya hier hat Maria sehr lecker gegessen.

ÜBERNACHTEN

Candeo Hotel Uno Park war Marias Unterkunft / Kinderfreundliche Hotels gibts hier und hier.

SONSTIGES

Mit einem “Around the world Ticket” ist man günstiger unterwegs, als einzelne Flüge zu buchen / Reisebüro von Maria in Fürstenfeldbruck / Die Japaner haben drei mal im Jahr Ferien, zu dieser Zeit ist in Tokio sehr viel los.


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