9 Wochen Auszeit! Teil 2: Neuseeland

Nachdem Maria, Tom und Greta (4 Monate) ein paar Tage in Tokio waren, gings weiter nach Neuseeland.

Nach weiteren 11h Flug habt ihr in Christchurch, Neuseeland euer Wohnmobil abgeholt und los gings. Darf man in Neuseeland auf Rast/Parkplätzen übernachten oder muss man immer auf einen Campingplatz?

Wenn man ein Fahrzeug mit dem Zertifikat “self contained” hat, darf man überall stehen. Das bedeutet, dass dein Fahrzeug eine Toilette und einen Abwassertank hat, dein Camper also auch in freier Natur “funktioniert” ohne Abwasser etc. zurück zu lassen. Diese Camper sind zwar etwas teurer, es lohnt sich aber auf jeden Fall.

Es gibt übrigens eine App, die würde ich jedem empfehlen. “Rankers’” ist auch nicht gerade billig (ca. 15 €), aber in der Bezahlversion hat man sämtliche Informationen über alle Campingplätze, alles sehr gut beschrieben, dazu noch Karten und Routen, sogar offline.

Außerdem gibt es noch das Department of Conservation, das ist ein öffentlicher Dienst, der für den Naturschutz zuständig ist. Zu Ihren Aufgaben gehören außerdem die Pflege der ganzen Wanderwege und vieler Low Budget Campingplätze. Diese Campingplätze sind oft an den besten Spots. Zwar hat man da nur Plumsklo und kalte Dusche, aber das sind die schönsten Campingplätze. Die großen Holiday Parks haben wir eigentlich nur angesteuert, wenn wir unbedingt mal warm duschen wollten, schnelles Internet oder Waschmaschinen brauchten. Die Campingplätze kann man alle auf der Website recherchieren.

In Neuseeland wart ihr insgesamt 7 Wochen unterwegs und ihr hattet auf der Nord und Südinsel ca. 40 Etappen. Wie viele Kilometer seid ihr gefahren? Geht das Fahren da gut?

Ja, wir waren selten länger als eine Nacht an einem Ort, wir haben wirklich viel gesehen. Gefahren sind wir am Tag allerdings gar nicht so viel, im Durchschnitt vielleicht 1,5 – 2 Stunden. Trotzdem sind wir in den 7 Wochen 6500 km gefahren. Aber das Fahren geht dort so gut, es ist total entspannt. Man fährt halt in einer unglaublich schönen Landschaft herum, die Zeit vergeht so schnell.

Wie habt ihr eure Tage so verbracht?

Wir waren sehr viel wandern und ganz wenig in Städten, auf die hatten wir schnell gar nicht mehr so Lust, weil die Natur so faszinierend ist. Der Ablauf war meist ähnlich: wir haben uns am Abend überlegt, wo wir am nächsten Tag hinfahren wollen bzw. geschaut wo wir stehen können. Morgens sind wir ganz entspannt aufgestanden, haben gefrühstückt und dann sind wir los gefahren. Auf dem Weg manchmal noch einkaufen und am frühen Nachmittag haben wir dann meistens schon unseren nächsten Spot erreicht. Und dann haben wir geschaut, was wir machen wollen bzw. was es in der Gegend Besonderes gibt.

Vieles, was in Neuseeland an Outdoor-Aktivitäten angeboten wird, kann man mit Baby leider nicht machen oder es hätte eben nur einer von uns machen können (Klettern, Surfen, Rafting, Bungee-Jumping, Tauchen etc.). Wir sind einfach viel gewandert und haben uns Sachen angeschaut. Das war so unsere Hauptbeschäftigung. Wandern und Natur genießen und sich ums Baby kümmern. Alles andere als langweilig. Heisse Quellen haben wir auch ein paar Mal besucht, das ist toll.

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Was erzählst Du als erstes, wenn Du jemanden von Neuseeland erzählst?

Ich erzähle meistens, dass die Menschen so unglaublich freundlich sind. Am Anfang kam mir das fast ein bisschen seltsam vor, ich wusste nicht so recht, damit um zu gehen. Ich habe dann ein bisschen darüber gelesen und erfahren, dass ihr Ruf in der Welt genau dieser ist, nämlich super nett und zuvorkommend zu sein. Und ein Ruf wird natürlich gepflegt, wahrscheinlich umso mehr, je weiter man von anderen Ländern und Nationen entfernt ist.

Was hat Dich am meisten beeindruckt?

Ui, das kann ich so gar nicht sagen. Sehr beeindruckend war zum Beispiel Rotorua auf der Nordinsel. Wegen der starken geothermischen Aktivitäten unter der Erde ist die Gegend rund um die gleichnamige Stadt voll mit heißen Quellen, Geysiren, blubbernden und nach Schwefel stinkenden Schlammlöchern. Überall kommt Dampf aus der Erde. Ich steh total auf das Geologische, deswegen war das für mich sehr spannend. Die Bilder mit dem orangenen Wasser sind von dort.

Die Nord- und die Südinsel sind sehr unterschiedlich und alles ist auf seine Art besonders. Zusammengefasst findet man auf der Nordinsel Vulkane und Strände, auf der Südinsel Berge, Seen, Gletscher und wahnsinns Aussichten.

Die Gletscher fand ich auch sehr abgefahren. Zuerst geht man durch einen richtigen Dschungel mit Farnen und allem, was dazu gehört. Dabei ist es relativ warm. Dann verändert sich die Vegetation immer mehr, irgendwann öffnet sich das Tal und man steht vor einem Gletscher. Ich weiss jetzt gar nicht, auf wie viel Höhenmetern das war, es war auf jeden Fall ganz anders, als man es kennt.

Hat Dich etwas genervt oder enttäuscht in Neusseland?

Am schlimmsten fand ich die Sandfliegen auf der Südinsel. Wir haben auch einen Bekannten der ganz oft nach Neuseeland reist, wegen der Viecher aber nicht mehr auf die Südinseln fährt. Sandfliegen sind so klein wie Obstfliegen, unfassbar penetrant und die Stiche jucken drei Wochen. Man wacht auch nachts auf weils so juckt und die Einstichstellen schwellen auch ganz gern mal an. Richtig lästig. Manchmal haben wir uns im Wohnmobil verbarikadiert und es nicht mehr verlassen.

Was man noch wissen sollte (was mich jetzt aber nicht enttäuscht oder genervt hat) ist, dass die Lebenshaltungskosten in Neuseeland sehr hoch sind. Für ein Shampoo in einer der billigeren Supermarktketten gibt man schon mal acht Euro aus.

Habt ihr Herr der Ringe Orte besucht?

Ja, wir sind zufällig an einem Schild mit der Information “Auenland” vorbei gefahren dann haben wir relativ spontan entschlossen, uns das an zu schauen. Mir hat es gefallen, allerdings war es sehr teuer. Pro Person hat das ca. 50 € gekostet. Etwas viel, für das was geboten war. Aber wir hatten auch wirklich Pech mit dem Guide. Man hat gemerkt, dass die Dame bei jeder Tour die gleichen Witze macht und alles hörte sich an wie vom Tonband.

Aber der Ort ist total liebevoll her gerichtet, mir hat es schon sehr gut gefallen.

Und einmal waren wir in der Nähe des Schicksalsberg wandern, er lag aber leider im Nebel, sodass wir ihn nicht sehen konnten. Aber dort wandern ist auf jeden Fall ein Tipp!

Du hast mir vor einiger Zeit schon einmal erzählt, dass es sehr viele deutsche Familien auf Elternzeitreise in Neuseeland unterwegs sind. Wie war dein Gefühl dabei? Hast du dich gefreut oder hat Dich das eher genervt?

Gut! Ich fands total nett. Wenn man am Abend Väter oder Mütter mit ihren kleinen Kindern auf den Campingplatz gesehen hat, konnte man schon ahnen, dass sie aus Deutschland und auf Elternzeitreise sind. Den Luxus, ein ganzes Jahr Elternzeit zu haben, haben ja nur wenige Länder. Man redet dann ein bisschen und gibts sich Tipps. Man fühlt sich als Traveller ja auch verbunden, ich mag das.

Tipps

ALLGEMEIN

In den heissen Quellen Kopf nicht unter Wasser. Im Wasser gibt es Amöben, die Gehirnhautentzündung verursachen können / Wohnmobil über Reisebüro buchen (125 €/ Tag), sonst teurer / Alternativ: vor Ort Auto oder Bus kaufen und bei Abreise wieder verkaufen. Ist nur zur Hauptsaison zu empfehlen, ansonsten kann der Verkauf schwierig werden.

BESUCHEN

Franz Josef Gletscher / Fox Gletscher / Wandern im Tongario Nationalpark


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